Kompressionstherapie

Was ist und was kann die Kompressionstherapie?


Die Kompressionstherapie wirkt durch Anlegen einer elastischen Binde, eines Strumpfes oder eines anderen elastischen Materials von außen auf die Haut des Unterschenkels bzw. des gesamten Beines. Es wird prinzipiell zwischen einer Entstauungsphase und Erhaltungsphase unterschieden.
Der Druck, der von außen durch die elastischen Materialien auf die Haut und die Muskulatur des Beines in der Entstauungsphase einwirkt, führt zu einem Zusammenpressen der erweiterten Venen und zu einer Wiederherstellung der Klappenfunktion. Das Blut fließt wieder mit normaler Geschwindigkeit in eine Richtung. Zudem verstärkt es, je nach verwendeten Bindenmaterialien, die Wirkung der Muskel-Waden-Pumpe. Das bereits entstandene Ödem wird in die Gefäße zurückgedrückt, und das Bein somit entstaut. Mit dem Ödem werden auch die angelagerten Stoffwechselprodukte abtransportiert sowie die Durchblutung und die Ernährungssituation des Gewebes verbessert. Es kommt zu einer massiven Verringerung des Spannungsgefühls, sowie zur Schmerzreduktion. Selbst hart gewordene Hautanteile (Fibrosierungen) können sich wieder zurückbilden. In der Erhaltungsphase liegt der Schwerpunkt auf der Erhaltung des ödemlosen Zustands des betreffenden Beines.

Die Möglichkeiten der modernen Kompressionstherapie ermöglichen heute unter Beachtung der individuellen Situation eine Versorgung nahezu aller Patienten mit Ausnahme der ABSOLUTEN Kontraindikationen. Bestehen relative Kontraindikationen ermöglich meist eine entsprechende Materialauswahl (z.B. Flachstrick, Abpolsterung) und Druckreduktion die Durchführung der Kompressionstherapie. Die Indikation sollte hier jedoch immer individuell und von einem in der Kompressionstherapie erfahrenen Behandler gestellt werden.

Ein Grundsatz in der Kompressionstherapie lautet:

„Kompression ist nicht alles, aber ohne Kompression ist alles nichts!“

Wenn Sie diesen Grundsatz durch konsequentes anwenden der Kompressionstherapie beherzigen, helfen Sie bei der Abheilung ihrer Wunde bereits sehr gut mit.

Gibt es verschiedene Möglichkeiten der Kompressionstherapie?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie eine Kompressionstherapie durchgeführt werden kann.

Kompression mittels:

  1. Thromboseprophylaxestrumpf (für den liegenden Patienten konzipiert)
  2. Kompressionsverband - mit Kurzzugbinden, Langzugbinden, mit/ ohne Polster, Fertigkompressionsverbandssysteme
  3. medizinische Kompressionsstrümpfe - Klasse I-IV, Rund-/ Flachstrickmaterial, unterschiedliche Elastizität
  4. Ulkuskompressionsstrümpfe
  5. adaptive Kompressionsbandagesysteme sog. Wrap-Verbände
  6. intermittierende apparative pneumatische Kompressionstherapie

Ad 1. Thromboseprophylaxestrumpf (Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe – MTS)

Definition

MTS sind rundgestrickt und nahtlos und haben durch eingearbeitete elastische Fasern komprimierende Eigenschaften. Der Andruck sollte einen Druck von 13-18 mmHg im Knöchelbereich, mit einer Toleranz von +/-3 mmHg aufweisen. Der Druckverlauf muss zum oberen Ende des Strumpfes  abnehmen.

Sie wirken beschleunigend auf den venösen Rückstrom, sie verkleinern den venösen Querschnitt und  verbessern die Venenklappenfunktion

MTS sind vor, während und nach einer Operation zur Vermeidung einer Thrombose indiziert. Dazu sollten aber auch bereits vor bis  mindestens sieben Tage nach einer Operation getragen werden. Ebenfalls sollten bettlägerige Menschen zur Vermeidung einer Thrombose verwenden.

Die Stümpfe werdengenerell in verschieden Größen und Längen sowie als Knielange und Oberschenkellange Versionen angeboten. Sie sollten möglichst kurz nach dem Aufstehen angemessen werden. Sie bestehen zumeist aus  Polyamid (Nylon®, Perlon®) Elastan (Lycra®), Polyurethan oder Polyester (Diolen®, Trevira®). MTS können 10mal gewaschen werden, ohne einen deutlichen Elastizitätsverlust aufzuweisen.

Ad 2. Der phlebologische Kompressionsverband (PKV) (PVK Foto verwenden)

Definition

Methode zur Durchführung der Kompressionstherapie bei Erkrankungen der Venen oder der Lymphgefäße. Der phlebologische Kompressionsverband schließt mindestens ein großes Gelenk mit ein. Er wird mehrlagig angelegt und entwickelt so die Kompressionskraft die besonders in der Entstauungsphase nötig ist.

Unterschieden wird zwischen:

  • Wiederverwendbare Materialien: Idealbinde; textilelastische Binde; dauerelastische Binde; kohäsive Binden und.
  • Nicht wiederverwendbare Materialien: adhäsive (klebende) Materialien; Starrbinde (Zinkleimbinde).

Bei Binden oder Bandagen handelt es sich um mehr oder weniger elastische  streifenförmige Binden in unterschiedlicher Breite. Für Betroffene die noch sehr mobil sind, werden weniger elastische Bandagen sogenannte Kurzzugbinden angelegt. Diese haben einen hohen Arbeitsdruck und massieren das darunterliegende Gewebe während der Arbeit des Muskels, also bei Bewegung. Dabei werden die Venen ideal ausgepresst. Für Menschen die vorwiegend sitzen oder liegen, kommen sehr elastische Binden, sogenannte Langzugbinden zum Einsatz. Diese haben einen hohen Ruhedruck. Das heißt, wenn der Muskel in Ruhe ist, übt die Bandage einen hohen Druck aus, da sie sich zusammenziehen möchte. Da bei ruhenden Personen der Muskel einige Zeit nicht angespannt wird, kommt der Druck der Langzugbinde entsprechend lange zur Wirkung. Welche Art der Bandage (Kurz- od. Langzugbinde) angewendet wird, hängt von der Art des erkrankten Gefäßes ab. Langzugbinden dürfen zudem nur tagsüber getragen werden, während dessen die weniger elastischen Kurzzugbinden während der Phase der Entstauung auch nachts am Bein  angelegt bleiben können.. Nach der Entstauung kann auf medizinische Strumpfsysteme umgestellt werden.

Klebende (adhäsive) Bindenmaterialien werden seltener verendet. Diese werden besonders bei einer zusätzlich notwendigen Stützfunktion des Gelenkes oder bei unverhältnismäßiger großer mechanischer Belastung bzw. bei ungünstigen anatomischen Verhältnissen, die zum Verrutschen des PVK´s führen würde, eingesetzt.

Ad 3. medizinische Kompressionsstrümpf (MKS)- Klasse I-IV, Rund-/ Flachstrickmaterial, unterschiedliche Elastizität

Definition

Nach RAL-Norm gefertigte medizinische Strümpfe, die in verschiedenen Druckklassen (Kompressionsklassen 1- 4) Größen und Längen erhältlich sind. Die Kompressionsklassen sind definiert entsprechend dem Ruheanpressdruck im Fesselbereich.

Land KKL I KKL II KKL III KKL IV
D-A-CH 18-21 23-32 34-46 >49

Sie haben ihren höchsten Druck im Knöchelbereich, einen abnehmender Druck von den Zehen bis zur Waden bzw. Oberschenkel und können Rund- oder Flachgestrickt sein. Häufig findet man mit seriell gefertigten Strümpfen das Auslangen, nur bei besonderer Körperform werden Maßanfertigungen verordnet. Die MKS werden ins vielen Farben und unterschiedlicher Dicke angeboten. Strümpfe mit besonderer Strickform kommen mit weniger elastischen Fasern aus und sind, abhängig von Vorlieben, angenehmer zu tragen, da dadurch weniger Wärmestau erzeugt wird. Ist der/die Betroffene körperlich nicht in der Lage, einen Kompressionstrumpf hoher Klasse anzuziehen, so können auch zwei Kompressionsstrümpfe niedriger Klasse übereinander gezogen werden. Hier addieren sich dann nicht nur die Ruhedrucke sondern auch der Arbeitsdruck.

Ad 4. Ulkuskompressionsstrümpfe

Definition

Meist zweiteiliges Strumpfsystem zur Kompressionstherapie bei Ulcus cruris venosum. Sie bestehen aus einem dünneren Unter-  und einem stärkeren Oberstrumpf. Der Ruheanpressdruck entspricht etwa der Kompressionsklasse III nach RAL. Der Unterstrumpf mit geringerem Anpressdruck (~ KKL 1) zur Sicherung des Wundverbandes und als Gleitschiene für den Oberstrumpf, kann über Nacht belassen werden. Der Oberstrumpf mit höherem Anpressdruck  (~ KKL 2) zur Erreichung der vollen Kompression (~ KKL 3),  sollte über Nacht entfernt werden. Es sind speziell gestrickte Oberstrümpfe erhältlich, die ein verrutschen  oder abrutschen der Strümpfe an der Wade weitgehend verhindern. Die Unterstrümpfe sind auch einzeln erhältlich und in der Originalverpackung auch doppelt vorliegend. Mit beiden gleichzeitig angelegt erreicht man die Kompressionsklasse 2 und kann so ein „Antrainieren“ zu Beginn der Kompressionstherapie erleichtern und so die Adhärenz steigern.

Sie werden zur Therapie und Rezidivprophylaxe des Ulcus cruris venosum und nach initialer Entstauungstherapie mit Kompressionsverbänden eingesetzt.

adaptive Kompressionssysteme oder Wrap-Verbände

Seit relativ kurzer Zeit gibt es fertig hergestellte Kompressionsprodukte die mittels Klettverschlüsse am Bein angelegt werden. Mittels einer kleinen Schablone kann jederzeit die richtige Kompressionskraft überprüft werden. Diese Art eignet sich besonders zur Erhöhung der Selbständigkeit für den Betroffenen, da dieser das Kompressionsprodukt autark anlegen kann. Diese Produkte müssen speziell angefertigt werden und vom Betroffenen mehrmals tägl. !nachgestellt! werden.

 

Häufige Fragen:

Ich halte den Druck der Kompression nicht aus, was soll ich tun?

Die Anlage eines Kompressionsverbandes ist in der Regel nicht schmerzhaft. Die ungewohnte Druckwirkung verringert sich bereits nach kurzer Zeit, da die Wirkung sehr schnell einsetzt. Das heißt, die Schwellung des Unterschenkels verringert sich und der Druck lässt nach. Jedoch gibt auch das Gewebe der Binde nach ca. zwei Stunden ein bisschen nach. Damit verringert sich auch die Kraft der Kompression.

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