Unterschenkel Geschwür

Im Folgenden beschäftigen wir uns mit  den häufigsten chronischen Wunden.

In der Fachliteratur besteht weitgehende Einigkeit, Wunden als chronisch zu bezeichnen, wenn diese innerhalb von vier bis zwölf Wochen nach Wundentstehung unter fachgerechter Therapie keine Heilungstendenz zeigen. Im Gegensatz zu akuten Wunden entstehen chronische Wunden zumeist nicht durch traumatische Ereignisse von außen, sondern durch lokale Ernährungsstörungen in der Haut, hervorgerufen durch venös, arteriell oder neuropathisch bedingte Gefäßschädigungen oder durch lokale, anhaltende Druckeinwirkung.

Das „Ulcus“
Der Begriff „Ulcus“ beschreibt das Auftreten eines Defektes in der Haut der bis in die Lederhaut reicht. Durch die zusätzliche Bezeichnung der Region des Auftretens z.B.  Unterschenkel („cruris“) wird deutlich wo sich der Hautdefekt befindet und lautet folgerichtig daher „Hautdefekt am Unterschenkel“  bzw. in der medizinischen Fachsprache „Ulcus cruris“. Umgangssprachlich wird diese Wunde auch als „offenes Bein“ bezeichnet.

Wie schon erwähnt kann dieses Ulcus cruris aufgrund verschiedener Ursachen auftreten.

Die Ursachen nach Häufigkeit:

  • Ulcus cruris venosum
    • Hier liegt die Ursache in der Schädigung der abfließenden Venen (ca. 65%)
  • Ulcus cruris mixtum
    • Sowohl das zufließende Gefäßsystem (Arterien) als auch die Venen sind betroffen (ca. 10%)
  • Ulcus cruris arteriosum
    • Hervorgerufen durch eine Verengung oder Verschluss einer oder mehrerer Arterien (ca. 10%)
  • Neuropathische Fußulcera
    • Darunter versteht man ein rundes, randscharfes, tiefes, schmerzfreies Geschwür an druckexponierten Körperstellen wie z.B. an der Fußsohle.
  • Seltene Ursachen wie z.B.
    • Neoplastische Geschwüre haben als Ursache immer eine Gewebeneubildung aufgrund einer Karzinomerkrankung und zeigen sich als die Haut aufbrechende Tumore.
    • metabolische Geschwüre – kommen nur bei Vorliegen eines Diabetes mellitus Zuckerkrankheit) vor.
    • infektiöse Geschwüre treten durch Infektionen mit Bakterien oder  Pilzen auf.
    • exogene Geschwüre findet man z.B. nach Strahlenbehandlung oder wird durch Kratzen oder Verletzungen von außen (exogen) verursacht.
Definition

Ulcus cruris arteriosum ist ein Hautdefekt im krankhaft verändertem Gewebe des Unterschenkels infolge eines arteriellen Gefäßverschlusses und somit eine Sauerstoffunterversorgung des Gewebes. Sie treten am häufigsten in den Beinen auf.

Häufige Fragen:

Welche Ursache hat das Ulcus cruris arteriosum:

Zumeist ist die Verengung der kleineren Arterien in den Beinen aufgrund von Verkalkungen (Arteriosklerose) schuld.

Was passiert dabei?
Arterien sind muskulöse elastische „Schläuche“ die einem hohen Druck standhalten müssen. Jedoch kann es immer wieder zu kleinen Einrissen in der Innenwand der Arterien kommen. Um diesen schnell abzudichten wird  das Gerinnungssystem des Körpers aktiv. Das heißt die Verletzung der Gefäßinnenwand wird mit einem Blutgerinnsel (Thromben) verschlossen. Im Zuge der Abheilung des Einrisses wird das Blutgerinnsel abgebaut. Es werden dabei aber Cholesterin und Kalzium in die Gefäßwand  eingelagert. Dadurch verdickt sich diese und es entsteht eine kleine Engstelle. Im Laufe der Zeit kann der Durchmesser der Arterie immer enger werden bis schlussendlich ein Verschluss entsteht.

Eine andere Ursache, aber mit demselben Ergebnis, ist die chronische Entzündung der Gefäßinnenwand. Durch diese entstehen kleine fleckförmige Einlagerungen (Plaque) die Cholesterin und Kalzium enthalten. Da dies eine chronische Erkrankung ist, ist der schleichende fortschreitende Verlauf garantiert.

Dieser Prozess beginnt häufig im zweiten bis dritten Lebensjahrzehnt und verläuft einige Zeit unbemerkt. Die ersten Anzeichen werden dann bemerkt, wenn die Folgen der Sauerstoffunterversorgung auftreten. Ein Drittel der über 75-jährigen Menschen leidet in unterschiedlicher Ausprägung an einer Arteriosklerose.

Bereits kleine Verletzungen (Kratzen, Insektenstiche oder Anstoßen an Gegenständen des Alltags) die sonst immer problemlos abgeheilt sind, können nun größer und tiefer werden und zeigen keine Heilungstendenz. Wenn kein Sauerstoff angeliefert wird kann auch kein neues Gewebe gebildet werden. Dies ist aber bei einer Wundheilung notwendig. Eine zusätzlich erworbene Infektion der Wunde verschlimmert die Situation zusätzlich (siehe Wundinfektion).



Was sind die ersten Anzeichen?

- belastungsabhängige Schmerzen

Die ersten Hinweise können schon lange vor dem Entstehen einer Wunde erkennbar sein. Ganz typisch sind belastungsabhängige Schmerzen, besonders in den Waden. Diese Erkrankung wird im Volksmund auch die Schaufensterkrankheit genannt, weil die betroffenen Menschen immer wieder stehen bleiben, um die Schmerzen abklingen zu lassen, und dabei so tun, als würden sie in ein Schaufenster blicken. In der Medizin sprichst man von einer peripheren-arteriellen-Verschluss-Krankheit (pAVK). Je kürzer die schmerzfreie Gehstrecke ist desto ausgeprägter ist die arterielle Durchblutungsstörung.

- kühle Beine bzw. ein kühles Bein

Ein weiteres Anzeichen sind kühle Beine bzw. ein kühles Bein. Da das Blut nicht nur Sauerstoff und Nährstoffe transportiert sondern auch Wärme vom Zentrum des Körpers in die Peripherie befördert, gelangt nun auch weniger warmes Blut in die Beine. Die Wärme die das Bein in die Umgebung abstrahlt, wird nun nicht mehr adäquat ersetzt. Dadurch kommt es zur merkbaren Auskühlung der Hautoberfläche. Als erstes sind die vom Herzen am weitest entferntesten Stellen des Körpers betroffen, also die Zehen und Füße. Menschen die unter Diabetes leiden sind besonders gefährdet, da sie häufig bereits von Empfindungsstörungen in den Beinen betroffen sind, und dadurch die Schmerzen und/oder das Kältegefühl nicht wahrnehmen.

- fehlende Pulse

Ein weiteres Indiz sind sehr schwache oder fehlende Fußpulse. Ertastet wird der Puls am Fußrücken oder seitlich in der Nähe der Achillessehne durch den versierten Untersucher.


Warum werden die Schmerzen beim Liegen oder hochlagern der Beine stärker?

In die Beine fließt das Blut begünstigt durch die Schwerkraft recht leicht hinab, da sie im Sitzen oder Stehen die tiefste Region des Köpers bilden. Selbst durch eine bereits bestehende Verengung  reicht die verminderte Sauerstoffversorgung noch häufig aus. Lediglich bei erhöhtem Sauerstoffverbrauch -bei Muskelaktivität beim Gehen oder Laufen - senden die Nerven Schmerzimpulse als Zeichen des Sauerstoffmangels ans Gehirn. Wenn nun die Beine hochgelagert werden oder der Betroffene seine Beine im Liegen in dieselbe Höhe des Herzens bringt, fällt die Unterstützung der Schwerkraftwirkung weg. Nun muss das Herz alleine das Blut durch die Verengung pressen. Da der Blutdruck in den vom Herz entfernteren Regionen abnimmt, reicht dieser oft nicht mehr aus um genügend sauerstoffreiches Blut für den normalen Sauerstoffbedarf des Beines zur Verfügung zu stellen. Die Folge sind wieder Schmerzen. Wenn der Betroffene z.B. die Unterschenkel aus dem Bett hängen lässt, nehmen diese ab, weil die Schwerkraftwirkung wieder einsetzt.
Wenn Sie diese Anzeichen bemerkt haben, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt aufsuchen!


Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es?

Klinische Diagnostik

Ihr behandelnder Arzt wird die Gehstrecke, die Sie ohne Schmerzen zurücklegen können, erfassen. In weiterer Folge wird er die Hautfarbe (Blässe oder bläuliche Haut), die Hautemperatur und Ihr Gefühl in den Beinen (Sensibilität) überprüfen sowie den Puls an den markanten Stellen tasten. Ein weiteres Indiz für einen Sauerstoffmangel der Haut, ist die zunehmende Haarlosigkeit im betroffenen Areal.
Im Anamnesegespräch werden Fragen über Risikofaktoren wie z.B. familiäre Belastung, Begleiterkrankungen, berufliche Belastung und sportliche Aktivitäten, Operationen oder Traumatisierungen (Verletzungen od. Operationen) der unteren Extremitäten und der Beckengürtelregion, Anzahl und Komplikationen von Schwangerschaften oder Thrombosen gestellt. Danach können weitere Untersuchungsmöglichkeiten bestimmt und durchgeführt werden.


Ratschow-Probe

Der Betroffene wird aufgefordert sich auf den Rücken zu legen und die Beine leicht zu heben. Dann wird er gebeten für zwei Minuten kreisende Bewegungen im Sprunggelenk durchzuführen. Danach wird er zum Aufsitzen aufgefordert, die Beine hängen dabei frei ohne Bodenkontakt. Bei gesunden kommt es während der Bewegungen nicht zum Auftreten von Schmerzen, sondern zur normalen Rötung des Fußes  innerhalb von 5 Sekunden. In den darauffolgenden fünf Sekunden füllen sich auch die Venen, evtl. vorhandene Venenzeichen treten wieder stärker hervor.
Liegt eine pAVK vor, blasst das betroffene Bein bereits während der Bewegungsphase ab. Es kommt nach dem Aufsitzen erst nach einer Verzögerung zur Rötung des betroffenen Beines, entsprechend füllen sich die Venen verspätet.


Apparative Diagnostik:

Dopplersonographische Bestimmung des Knöchel-Arm-Index,

Der Knöchel-Arm-Index, kurz ABI, ist ein Wert, der durch Doppler-Sonographie und Blutdruckmessung bestimmt werden kann. Der Index ist der Quotient aus Blutdruck am Unterschenkel und Blutdruck am Oberarm. Er dient zur Abschätzung des kardiovaskulären Risikos und zur Verlaufsbeurteilung einer PAVK.

arterielle Duplex-Sonographie der relevanten Einstromgebiete,

Die Doppler-Sonographie ist eine besondere Form der Sonographie, bei der unter Ausnutzung des Doppler-Effektes der Blutfluss durch Blutgefäße hörbar gemacht werden kann. Durch Kombination von Bild-Sonographie und Farbkodierung der Doppler-Sonographie kann der Doppler-Effekt auch zur visuellen Darstellung von Blutflüssen genutzt werden.

arterielle digitale Subtraktions-Angiographie,

Die Digitale Subtraktionsangiographie, kurz DSA, ist ein diagnostisches Verfahren zur Darstellung von Gefäßen (Angiographie). Der Unterschied zur konventionellen Darstellung von Blutgefäßen besteht darin, dass bei der DSA die Möglichkeit zur Subtraktion (also Entfernung) störender Bildelemente gibt. Dies macht dieses Verfahren noch genauer

Angio-Kernspintomographie,

Synonyme: MRT (Magnetresonanztomographie)
Mit einer MRT-Untersuchung lassen sich Blutgefäße, also Arterien und Venen, dreidimensional darstellen, sodass Stenosen, Verschlüsse, Thrombosen und andere Gefäßfehlbildungen gut zu diagnostizieren sind. Die Methode ist nicht-invasiv und ist so eine gute Alternative zur invasiven Katheter-Angiographie. Ggf. wird ein Kontrastmittel benötigt um die Gefäße sichtbar zu machen.

radiologischer Ausschluss von Knochenbeteiligung.

Hierbei wird ein Röntgen des betroffenen Areals gemacht, um auszuschließen oder sicher zu stellen, ob bei einem tiefen Ulcus bereits der Knochen in Mitleidenschaft gezogen worden ist oder nicht. Im Zweifel wird eine MRT-Untersuchung Klarheit bringen.



Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Das Ziel der Therapie ist es die Durchblutung zu verbessern oder wiederherzustellen.
Je nach Ergebnis der Untersuchungen werden Ihnen die Therapiemöglichkeiten durch Ihren Arzt vorgestellt. Im Anfangsstadium der Erkrankung reicht es oft Gefäßsporttraining zu betreiben und auf Nikotin weitgehend oder ganz zu verzichten, da jede genossene Zigarette die Gefäße weiter verengt.  Auch eine der Erkrankung angepasste Ernährung ist zu empfehlen.

Medikamentöse Interventionen

Häufig wird eine „Blutverdünnende“ Therapie verordnet, um die Gefahr einer Verklumpung des Blutes zu verringern. Eine andere Möglichkeit ist die Infusionstherapie mit Prostaglandin®. Diese behebt weitgehend den Ruheschmerz, und verlängert die Gehstrecke des Betroffenen erheblich.

Chirurgische Interventionen

Diese reichen von einer Gefäßdehnung mittels eines speziellen Katheters (PTA - Perkutane transluminale Angioplastie) bis zu einer Ausschabung des Gefäßes im Rahmen eines operativen Eingriffes. Eine weitere chirurgische Möglichkeit, ist das Setzen eines Stents. Ein Stent dient zur inneren Schienung an der verengten Stelle. Als Blutgefäßstent bezeichnet man ein feines, dehnbares Röhrchen aus Metall- oder Kunststoffgeflecht, das in eine Arterie eingesetzt wird und dieses durchgängig hält. Jedoch können auch eigene Blutgefäßteile (z.B. aus Venen) oder körperfremde Teile anstelle der verengten oder verschlossenen Arterie eingesetzt werden.

Was kann ich selbst tun?

  • Eine Maßnahme die Sie selbst durchführen können, ist die Veränderung Ihrer Lebensweise. Dazu gehören häufig die Verringerung des Körpergewichtes, vermehrte Bewegung  und Senkung des Blutdruckes. 
  • Sie sollten jedoch auch den Konsum von Genuss- und Suchtmittel kritisch hinterfragen. Als Diabetiker sollten Sie darauf achten des der Blutzucker, vor allem der Langzeitwert (HbA1c) auf konstant niedrigen Wert (~6) gehalten wird. Lassen Sie sich bei der Raucherentwöhnung unterstützen – es zahlt sich mehrfach aus. Vereinbaren Sie mit unserem speziell geschulten Personal einen Termin, um Sie bei einer beabsichtigten Umstellung Ihrer Lebensweise zu beraten.
  • Suchen Sie regelmäßig Ihren Arzt  auf und lassen Sie Ihre Gefäßsituation neu beurteilen.

Meine Füße und/oder Unterschenkel sind sehr kühl, was kann ich dagegen tun?


  • Schützen sie sich vor Wärmeverlusten, indem Sie sich warm anziehen. Vermeiden Sie dabei aber enge Kleidung und einschnürende Strümpfe. Aber wärmen Sie niemals ihre Beine mit Wärmeflaschen, heißen Fußbädern oder am Heizkörper. Verbrennungen die letztendlich zur Amputation führen, können die Folgen sein! 
  • Wenn Sie zusätzlich abendliche Schwellungen bemerken, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Ob eine Kompressionstherapie notwendig oder sinnvoll ist, entscheidet nach einer entsprechenden Untersuchung (ABI) ihr Therapeut in Absprache mit ihrem Arzt.
  • Überprüfen Sie ihre Schuhe. Diese sollten keinesfalls zu eng sein, da ansonsten schwer heilende Druckstellen entstehen können.

Wie kann ich Wunden an den Füßen oder Beinen vorbeugen?

  • Gehen Sie NIEMALS barfuß! Tragen Sie möglichst geschlossene weiche Schuhe, diese schützen vor Verletzungen.
  • Halten Sie Ihre Haut generell, besonders an den Fußsohlen und Unterschenkel, durch hochwertige Hautpflegeprodukte geschmeidig.
  • Suchen Sie zur Fuß- und Nagelpflege eine medizinische Fußpflegeeinrichtung auf. Wirken Sie eingewachsenen Zehennägeln mit einer Nagelspange entgegen. Verwenden Sie keine schneidenden oder schabenden Gegenstände um eine eventuell vorhandene Hornhaut selbst zu entfernen, dies kann mit dem Verlust Ihres Beines enden.
  • Wenn Sie harte Hornhautstellen an der Fußsohle entdecken, lassen Sie diese von einer professionellen Fußpflege entfernen.
  • Lassen Sie sich gegebenenfalls entlastende Schuheinlagen verordnen und lassen Sie diese immer wieder anpassen.
  • Lassen Sie ihre Fußsohlen regelmäßig von Ihrem Partner auf Wunden untersuchen, bzw. überprüfen Sie dies mit Hilfe eines Spiegels selbst. Eine andere Kontrollmöglichkeit ist, die Socken, Hausschuhe oder die Einlagen Ihrer Schuhe auf evtl. vorhandene Feuchtigkeitsstellen oder Blutreste zu inspizieren -> vermutlich ist beim Auftreten dieser feuchten Stellen bereits ein Schaden entstanden. Verlieren Sie keine Zeit mehr – suchen Sie sofort professionelle Hilfe.
  • Achten Sie darauf, dass Sie sich nicht an Gegenständen des täglichen Gebrauchs in Ihrer unmittelbaren Umgebung stoßen und gegebenenfalls verletzen. Selbst die kleinste Wunde fatale Folgen haben. Lassen Sie eine solche professionell versorgen.
Definition:

Unterschiedlich tiefer Substanzdefekt in pathologisch (krankhaft) verändertem Gewebe des Unterschenkels der unter Narbenbildung abheilt.

Häufige Fragen:

Welche Ursachen hat das Ulcus cruris venosum

Für die Entstehung des venösen Ulcus sind drei Ursachen verantwortlich.

  1. In den häufigsten Fällen ist eine Veränderung in den oberflächlichen Venen beobachtbar. Der Volksmund bezeichnet diese als Krampfadern. Oft sind diese durch eine Venenwandschwäche bedingt, begünstigt durch stehende Berufe, einer oder mehreren Schwangerschaften.
  2. Öfters ist auch ein Verschluss einer Vene durch ein Blutgerinnsel, eine sogenannte Thrombose, für die spätere Entstehung eines Ulcus verantwortlich. Diese Thrombose kann häufig völlig unerkannt verlaufen.
  3. In ganz seltenen Fällen ist die Ursache durch eine angeborene Fehlbildung in den Venen zu suchen.
Welche Risikofaktoren spiele  dabei eine Rolle?

Familiäre Vorbelastungen, Erkrankungen die mit Bewegungseinschränkungen einhergehen, z.B. Adipositas (Übergewicht), Rheuma, Unfälle, etc. Aber auch Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Herzschwäche können die Entstehung begünstigen.



Was passiert dabei?

Das Ulcus tritt fast immer infolge einer chronischen venösen Insuffizienz (Schwäche) mit einer ambulatorischen (wandernd, umherziehend) venösen Hypertonie (Bluthochdruck) auf. D.h. beim Vorliegen einer Venenwandschwäche kommt es in der Folge des erhöhten Druckes in der Vene zur Dehnung der Gefäßwand. Durch diese Dehnung können die Venenklappen, die ein zurückfließen des Blutes verhindern sollen, nicht mehr schließen. Das Blut aus den Beinen fließt in die entgegengesetzte Richtung, also nicht zum Herzen zurück, sondern abwärts in die Beine. Der Druck in den betroffenen Venen wird nun noch höher, ein Teufelskreis entsteht. Dieser auf den erweiterten Venen lastender Druck hat zur Folge, dass das größere Blutvolumen sich wie ein Stau auf der Autobahn auswirkt. Es kann kein bzw. weniger frisches Blut nachfließen. An der untersten Stelle unterhalb des Knöchels wird durch den Sauerstoffmangel bedingt Gewebe zugrunde gehen. Ein Ulcus entsteht.



Wie erkenne ich die Anzeichen einer Venenwandschwäche?

Im Anfangsstadium treten häufig müde, schwere Beine, evtl. Wadenkrämpfe in der Nacht, Kribbeln oder Unruhe (besonders im Stehen) auf. Selbst Schmerzen in den Beinen können vorkommen. Bräunliche oder rötlichviolette Verfärbungen an den Unterschenkel können in weiterer Folge auftreten. Kommt es zu einem Spannungsgefühl in den Beinen sollten sie an Wassereinlagerung in den Beinen denken. Hinweise dafür sind deutliche Einschnürungen an den Rändern der Socken sowie das Gefühl zu enge Schuhe anzuhaben. Dieses Gefühl wird umso stärker wenn Sie die Schuhe wegen eines starken Juckreizes oder eines Hitzegefühls ausgezogen haben und Sie wieder hineinschlupfen wollen.  Das Vorhandensein von Wasser in den Beinen (Ödeme) können Sie ganz leicht selbst überprüfen. Drücken Sie mit einem Finger für einige Sekunden an eine Stelle im unteren Bereich des Unterschenkels (z.B. Knöchelregion). Wenn eine Delle zurückbleibt, die nur langsam wieder verschwindet, so ist das ein sicheres Zeichen, dass Sie Ödeme haben.



Wie entstehen Ödeme?

Gefäße sind mehr oder weniger elastische „Schläuche“ in den das Blut zum Herzen zurückfliest. Wenn nun ein Rückstau in den Venen entsteht, dehnt sich die Venenwand und wird ähnlich wie ein Gartenschlauch der in der Sonne liegt undicht. Die ausgetretene Flüssigkeit besteht aus den flüssigen Bestandteilen des Blutes. Dies passiert auch bei den Arterien (in den besteht auch ein höherer Druck). Normalerweise wir diese Flüssigkeit über die Lymphbahnen abtransportiert. Wenn jedoch der Innendruck durch den Stau in den Venen höher ist als im umliegenden Gewebe, kann die Vene die Flüssigkeit nicht mehr aufnehmen und abtransportieren. Auch die dazwischen liegenden Lymphgefäße sind mit der Menge an Flüssigkeit überfordert und können diese nicht im erforderlichen Ausmaß ableiten. Das Wasser bleibt im Gewebe – ein Ödem ist entstanden.



Woher kommt der Juckreiz?

Im Normallfall liegen die einzelnen Zellen mit der Wand der Kapillaren ganz eng beieinander, der Sauerstoff kann ganz leicht durch die Gefäß- und Zellwand schlüpfen. Die Stoffwechselprodukte die die Zelle nicht benötigt, sowie das CO2 verlässt die Zelle in die umgekehrte Richtung und wandert somit in die Kapillare und wird über die Venolen in die darauffolgenden größeren Venen abtransportiert. Durch das eingelagerte Wasser liegen nun die Zellwände und die Kapillarwand weiter auseinander und der Weg der Schlackenstoffe ist länger geworden oder gar unterbrochen. Diese Einlagerungen, vor allem die Abbauprodukte und Eiweiße, verursachen nun diesen durchaus quälenden Juckreiz.



Was verursacht die Farbveränderungen am Unterschenkel?

Durch den Stau in den Venen wird die Venenwand auch durchlässig für die Abbauprodukte des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin. Diese werden wie das Wasser in die Haut eingelagert. Da die Ablagerungen die Versorgung und Entsorgung behindern, kann das Hämoglobin nicht abtransportiert werden. Mit Zunahme dieser Anlagerung scheint dessen Farbe durch die Haut durch. An diesen Stellen tritt auch häufig starker Juckreiz auf. Durch Reiben oder Kratzen entstehen oft kleine Wunden, die den Beginn eines schlecht heilenden offenen Beines, in diesem Fall ein Ulcus cruris venosum, sein kann.



Die Haut ist verhärtet und lässt sich nicht mehr verschieben. Warum ist das so?

Das aus den gestauten Venen ausgetretene Eiweiß führt zur Entzündung des Unterhautfettgewebes. Die dabei entstehende Rötung kann sehr schmerzhaft sein. Der Körper bildet dadurch mehr Bindegewebsfasern wodurch die Dicke der Haut zunimmt. In weiterer Folge verklebt die Haut mit tiefer gelegenen Gewebeschichten und lässt sich nicht mehr verschieben (Lipodermatosklerose).

Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es?

Bei der Erhebung der Krankengeschichte oder besser des Krankheitsverlaufes sollten folgende Themenbereiche erfragt werden:

  • die familiäre Belastung, Begleiterkrankungen, Risikofaktoren wie die berufliche Belastung und sportliche Aktivitäten, Operationen und evtl. Unfälle im Bereich der unteren Extremitäten und der Beckengürtelregion, Anzahl und Komplikationen von Schwangerschaften, Thrombosen und subjektive Symptome.


Bei der klinischen Untersuchung steht neben der Inspektion (z. B. Hyperpigmentierung, Lipodermatosklerose, Atrophie blanche, Ekzeme, Ödeme, Venen- und Pulsstatus, Narben, Ulcusgröße und -morphologie) die medizinische Ganzkörperuntersuchung einschließlich neurologischer und orthopädischer Untersuchung im Vordergrund.

Die Basisdiagnostik beinhaltet die direktionale Dopplersonographie der Beinarterien.

  • Dies ist eine völlig ungefährliche schmerzlose Ultraschalluntersuchung. Mit Hilfe des Ultraschalls können die Blutflussrichtung und die Gefäßwände dargestellt werden. Bei Verwendung eines Ultraschallgerätes mit Farbdarstellung (Farbdoppler) kann, die Richtung des Blutflusses in Bezug auf den Schallkopf farblich in Rot oder Blau dargestellt werden. Somit kann der Blutfluss in Arterien von jenem in den Venen unterschieden werden und letztlich damit Aussagen über das Vorliegen und das Ausmaß von Durchblutungsstörungen getroffen werden.


ABI - Messung

  • Die Abkürzung ABI steht für den englischen Begriff Ankle Brachial Index, was übersetzt Knöchel-Arm-Index bedeutet. Vereinfacht dargestellt wird bei der ABI-Messung der Blutdruck im Arm mit dem Blutdruck im Bereich des Fußknöchels verglichen. Der aus diesen zwei Messwerten ermittelte Knöchel-Arm-Index ermöglicht es, eine arterielle Durchblutungsstörung zu erkennen oder Sie auszuschließen und ihren Schweregrad zu beurteilen. Sie ist eine einfach durchzuführende Untersuchungsmethode. Weitere Untersuchungen können abhängig vom Ergebnis eingeleitet werden.


Warum wird meine Wunde immer größer?

Der Rückstau in den Venen und die damit verbundene Unterversorgung führen mit der Zeit zum bereits beschriebenen Umbau der Haut und der Muskulatur. Wenn nun das bereits vorgeschädigte Gewebe verletzt wird, bricht die Ver- und Entsorgung zur Gänze zusammen. Weder können die angefallenen Stoffwechselprodukte abtransportiert, noch ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe für eine Zellneubildung, die für eine Wundheilung unerlässlich sind, zur Verfügung gestellt werden. Es geht immer mehr Gewebe zu Grunde und die Wunde wird größer. 

Warum nässen meine Wunden so stark?

Die Ödeme die in der Haut eingelagert wurden, können durch eine intakte Haut nicht so einfach austreten. Anders verhält es sich wenn die Hautbarriere wegen einer Wunde durchbrochen ist. Nun kann das Wasser wie bei einem geöffneten Wasserhahn auslaufen. Je größer die Wunde ist, desto mehr Flüssigkeit kann austreten. Zusätzlich können Bakterien durch die offene Stelle ins Gewebe eindringen, und die Wunde zur vermehrten Produktion von Wundflüssigkeit anregen.

Die Wunde wird schon lange verbunden, warum heilt sie nicht?

Selbst moderne Verbände können die Ursache nicht beeinflussen. Die Ursache des Hautdefektes ist die Störung und die zumeist damit verbundene Druckerhöhung im Venensystem der Beine. Wenn die Ursachen beseitigt werden können, wird die Versorgung des Gewebes wiederhergestellt werden und die Wunden können mit den entsprechenden Maßnahmen zur Abheilung gebracht werden. Es gibt aber leider auch einen „Grundsatz“: „Je länger die Wunde besteht, desto länger dauert die Abheilung“. Häufig liegt auch bereits eine Wundheilungsstörung vor. Die Wundheilung ist ein multifaktorielles Prozess, je mehr Faktoren eliminiert bzw. reduziert werden können, umso schneller erreicht man gemeinsam (Betroffene/r und Therapeut) das Ziel.

Was kann ich selbst tun?

  • Beachten die 3 S/L Regel. Diese Regel sagt.
    • Sitzen und Stehen ist schlecht, Lieber Laufen und Liegen

  • Wenn Sie viel sitzen oder Stehen müssen, sollten Sie sich zwischendurch ausreichend bewegen.
  • Legen Sie Ihre Beine zwischendurch für ca. 15 – 20 Minuten hoch. Das Blut kann so besser zum Herzen zurückgeführt werden und Wasseransammlungen im Knöchelbereich werden verringert bzw. verhindert.
    • Hochlagern bedeutet, dass die Beine über Herzniveau zu liegen kommen und im Liegen in der Hüfte nicht gebeugt werden sollten.
    • Vermeiden Sie das Hochstellen eines eventuell vorhanden verstellbaren Lattenrostes, dies belastet die Knie durch Überstrecken. Legen Sie stattdessen unter die Matratze im Unterschenkelbereich eine Decke ein. Dadurch liegen Ihre Unterschenkel während des Schlafens etwas höher, was wiederum den Rückfluss des Blutes zum Herzen beschleunigt.
  • Vermeiden Sie unnötige Hitzeeinwirkung im Unterschenkelbereich z.B. Sonnenbäder oder Fußbodenheizungen.
  • Vermeiden oder schränken Sie Saunabesuche möglichst ein.
  • Bei starkem Hitzegefühl duschen Sie am besten die Beine mit kaltem Wasser. Besonders abends kann dies sehr wohltuend sein.
  • Verwenden Sie Seidenbettwäsche. Sie hat einen kühlenden Effekt
  • Führen Sie regelmäßig mehrmals am Tag Fußgymnastik durch:
    • Kreisen Sie mit den Füßen im maximalen Bewegungsradius – Dies spannt die Wadenmuskulatur und unterstützt den venösen Rücktransport.
    • Auf und Ab wippen auf den Zehenballen kann im Liegen, Sitzen und im Stehen durchgeführt werden.
  • Achten Sie auf gute Hautpflege. Zumeist ist die Haut ohnehin zu trocken (siehe Hautpflege).
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